Google Translate :

German English
Treemonisha
Tree_0713
... zur Bildergalerie

Luzerner Theater
Premiere 26.2.2005

Tanztheater zu Musik und Libretto von Scott Joplin


Inszenierung:  Verena Weiss
Dirigent:  Peter Keuschnig
Bühnenbild:  Ulrich Schulz
Kostüme:  Ulrich Schulz
Licht:  David Hedinger
 

 

"Das Geschehen der Oper spielt auf einer Plantage irgendwo im Staat Arkansas nordwestlich der Stadt Texarkana drei bis vier Meilen vom Red River. Die Plantage ist von einem dichten Wald umgeben. Einige Neger-Familien lebten auf der Plantage und andere Familien zurückgezogen im Wald. Damit der Leser die Geschichte besser versteht, mache ich einige wenige Angaben zu den Negern auf dieser Plantage vom Jahr 1866 bis 1884. Das Jahr 1866 findet sie in tiefer Unwissenheit ohne jemand, der sie führt, nachdem die Weißen kurz nach der Freilassung der Neger aus der Sklaverei weggezogen sind und die Plantage einem vertrauenswürdigen Neger-Bediensteten namens Ned übergeben haben. Alle Neger außer Ned und seiner Frau Monisha waren abergläubisch und glaubten an Magie. Monisha als Frau war manchmal beeindruckt von dem, was die erfahreneren Magier behaupteten. Ned und Monisha hatten keine Kinder. Sie hatten häufig gebetet, daß ihr Heim eines Tages von einem Kind gesegnet würde, das Monisha Gesellschaft leisten könnte, wenn Ned von zu Hause fort war. Sie träumten auch davon, das Kind so zu erziehen, daß es später die Menschen ihrer Umgebung unterrichten konnte, damit sie auf etwas Besseres und Höheres bauen könnten als Aberglaube und Magie.

Die Gebete von Ned und Monisha wurden in bemerkenswerter Weise erhört. Eines Tages, Mitte September 1866, fand Monisha ein Baby unter einem Baum, der vor ihrer Hütte wuchs. Es stellte sich als hellbraunhäutiges Mädchen, ungefähr zwei Tage alt, heraus. Monisha nahm das Baby in ihre Hütte. Ned und sie zogen es auf wie ein eigenes Kind. Sie wollten, daß das heranwachsende Kind sie liebte, wie es seine wirklichen Eltern geliebt haben würde. So beschlossen sie, es solange in Unwissenheit darüber zu lassen, wie es zu ihnen gekommen war, bis es alt genug sein würde, um zu verstehen. Sie wußten aber auch, daß die Nachbarn dem Kind etwas erzählen würden, wenn sie die Tatsachen kannten. Um sie zu täuschen, satteltealso Ned seine Mulis und zog mit Monisha und dem Kind zu einer Familie alter Freunde, die zwanzig Meilen weiter lebten und die sie seit drei Jahren nicht gesehen hatten. Sie sagten der Familie, daß das Kind gerade eine Woche alt sei. Ned gab diesen Leuten sechs Fuder Korn und vierzig Pfund Fleisch, damit sie Monisha und dem Kind erlaubten, acht Wochen bei ihnen zu bleiben. Das, so dachte Ned, würde Monishas Gesundheit gut tun. Die Freunde stimmten gerne zu, daß sie eine solch lange Zeit bei ihnen bleiben könne. 

Ned zog allein zurück zur Plantage und erzählte seinen alten Nachbarn, daß Monisha beim Besuch alter Freunde Mutter eines kleinen Mädchens geworden sei. Die Nachbarn waren natürlich sehr überrascht, konnten aber nicht anders als zu glauben, daß Neds Geschichte wahr war. Am Ende der acht Wochen holte Ned Monisha und das Kind nach Hause. Er empfing die Glückwünsche seiner Nachbarn und Freunde und war froh, daß sein Plan so gut aufging. Monisha gab zuerst dem Kind ihren eigenen Namen. Aber als das Kind drei Jahre alt war, spielte es derart gerne unter dem Baum, unter dem es gefunden worden war, daß Monisha ihm den Namen Tree-Monisha gab. Als Treemonisha sieben Jahre alt wurde, verabredete Monisha mit einer weißen Familie, daß sie für sie waschen und bügeln und Ned ihr Holz hacken würden, wenn die Frau des Hauses Treemonisha unterrichten würde. Denn eine Schule wäre für Treemonisha viel zu weit gewesen. Die weiße Frau willigte ein, und das Ergebnis war, daß Treemonisha der einzig gebildete Mensch in der Nachbarschaft war. Die anderen Kinder waren immer noch unwissend, da sie nicht so weit zu einer Schule gehen konnten.

Zodzetrick, Luddud und Simon, drei alte Männer, verdienten ihren Lebensunterhalt, indem sie in der Nachbarschaft als Magier umherzogen, kleine Glücksbeutel und Hasenpfoten verkauften und die Leute in ihrem Aberglauben bestärkten.  

Die Oper beginnt im September 1884. Treemonisha ist jetzt achtzehn Jahre alt und bereitet sich auf ihre Aufgabe als Lehrerin und Führerin ihres Volkes vor."  Scott Joplin, 1911