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Schuld & Sühne
IGH-3081
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Luzerner Theater
Premiere 8.04.2010

Schauspiel 

nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewskij

 

 

 

Inszenierung:  Barbara-David Brüesch
Bühnenbild:
 Damian Hitz
Kostüme:
 Heidi Walter
Musik:  Gaudenz Badrutt
 Christian Müller 
Licht:  David Hedinger
 

 


 

 


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Der verarmte Jurastudent Rodion Raskolnikow ist der festen Überzeugung, die Menschheit müsse in zwei Sorten unterteilt werden – das Material und die Auserwählten – und letztere Kategorie habe das Recht, ihre dem Fortschritt dienlichen Ideen radikal durchzusetzen, auch wenn dabei Menschenleben geopfert werden müssen. Nur so könne der Lauf der Welt verändert werden. Im Glauben, er selbst gehöre zu den «Auserwählten», begeht er Raubmord an einer alten Pfandleiherin und ihrer Tochter, deren Leben ihm nichtig erscheinen. Es dauert nicht lange bis er unter Verdacht gerät und sich den psychologisch raffinierten Verhörmethoden des Untersuchungsrichters Porfirij Petrovic stellen muss. Ein atemberaub- endes, intellektuelles Katz-und-Maus-Spiel beginnt, bei dem bald nicht mehr klar ist, wer die Oberhand behalten wird. Doch irgendwann meldet sich Raskolnikows Gewissen. Unter dem Druck des inständigen Zuspruchs der Prostituierten Sonja und der immer bohrenderen Fragen Petrovics gesteht er schliesslich seine Tat.


Rodion Raskolnikow ist eine der fesselndsten Gestalten der Weltliteratur. In seinen Ideen spiegelt sich eine albtraumhafte Gesellschaft, in der sich Menschenverachtung, Selbstsucht und Unfreiheit zu einem düsteren Mosaik zusammenfügen.

«Schuld und Sühne» ist der bekannteste Roman Fjodor M. Dostojewskijs und eines der einflussreichsten Bücher der Neuzeit. Die Ideen, die der Autor seinem Romanhelden Raskolnikow in den Jahren 1866/1867 in den Mund legte, sind zeitlos brisant – und waren gerade im Hinblick auf das von selbsternannten Menschheitsführern zerrissene 20. Jahrhundert von geradezu prophetischer Modernität. Nietzsche, Sartre, Camus und viele weitere Denker und Schriftsteller schärften ihre Gedanken an diesem «grössten Kriminal- roman aller Zeiten» (Thomas Mann).

In jüngerer Zeit haben die Romane Dostojewskijs vor allem in zweierlei Hinsicht für Aufmerksamkeit gesorgt. Zum einen legte die Übersetzerin Swetlana Geier im Zürcher Amann-Verlag unter dem Titel «Verbrechen und Strafe» eine viel gelobte Neuübersetzung vor, auf der die Luzerner Theaterfassung vollständig basiert. Zum anderen stand Dostojewskij immer wieder im Zentrum viel beachteter Theater- aufführungen: Frank Castorf inszenierte an der Volksbühne Berlin einen Zyklus grosser Dostojewskij- Romane, Andrea Breth setzte für die Salzburger Festspiele ihre Version des Jahrhundertromans in Szene. «Der grösste Dramatiker seit Shakespeare» (so nennt ihn der Literaturwissenschaftler George Steiner) ist nicht wegzudenken von den Bühnen der Welt, obwohl er rein äusserlich betrachtet keinen einzigen Thea- tertext geschrieben hat.

Das Luzerner Theater bringt Dostojewskijs opulenten russischen Kriminalroman aus dem 19. Jahrhundert in einer intensiven, auf die wesentlichen Figuren verdichteten Theaterfassung auf die Bühne. Regie führt die 1975 in Chur geborene und für ihre Inszenierungen bereits mehrfach ausgezeichnete Regisseurin Barbara-David Brüesch.
Für die live gespielte Musik sind die – auch als elektroakkustisches Duo <strøm> erfolgreichen – Musiker Gaudenz Badrutt und Christian Müller verantwortlich.

Kurzkritik:
Schwer vorstellbar, dass “Schuld und Sühne” im Theater Luzern nicht das momentane Glanzlicht der aktuellen Schweizer Theaterlandschaft darstellt. Barbara-David Brüeschs Romanadaption von Fjodor Dostojewskijs Klassiker “Schuld und Sühne” ist auf allen Ebenen gelungen. Frei von jeglichen Längen, präsentiert ein herausragendes Schauspielensemble ein packendes Stück, wie man es nicht alle Tage zu sehen bekommt. Geradezu fulminant agiert Christoph Gawenda in der Rolle des Jurastudenten Rodion Raskolnikow. Das Bühnenbild entwickelt in seiner Schlichtheit und gleichzeitigen Genialität eine enorme Kraft. Es ist eine Lust zuzusehen, mitzudenken und mitzuleiden. Einziger Wermutstropfen: Das Stück wird nur insgesamt sieben Mal gespielt. Falls also das Luzerner Publikum nicht ganz verschlafen ist, dürften die kommenden Aufführungen in Windeseile ausverkauft sein.