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Falstaff
Falstaff_-249
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Luzerner Theater
Premiere 2.10.2007

komische Oper von Giuseppe Verdi

Inszenierung:  David Hermann
Dirigent:  John Axelrod
Bühnenbild &
Kostüme:
 Christof Hetzer
Licht:  David Hedinger
 

 

1893 machte in Mailand folgendes Gerücht die Runde: Giuseppe Verdi schreibt an einer komischen Oper!!! – im Alter von 80 Jahren? Nach sechs Jahren Pause noch einmal ein abendfüllendes Werk? Und dann eine musikalische Komödie, wo sein einziger Versuch auf diesem Gebiet vor mehr als 50 Jahren («Un giorno di regno») zu einem Fiasko geraten war? Jawohl! Der Komponist schrieb mit «Falstaff» nicht nur eine glänzende Apotheose auf die Gattung Opera buffa, sondern verfolgte mit seinem letzten Werk auch einen ganz neuen künstlerischen Weg weiter, den er erst mit «Otello» eingeschlagen hatte. Die Grundlage für diesen Meilenstein der Musikgeschichte legte der kongeniale Librettist Arrigo Boito mit seiner Bearbeitung der Shakespeare-Komödie «The Merry Wives of Windsor».

«Die Welt ist ein Witz» – zu dieser Erkenntnis mag Sir John Falstaff zu Recht kommen, nachdem ihm das galante Werben um zwei schöne und vermögende Frauen ein unfreiwilliges Bad im Wassergraben und eine phantastische Tracht Prügel im nächtlichen Wald eingebracht hat. Aus einem bequemen Bonvivant wird eben schwerlich noch ein sportlicher Don Juan. Allerdings bringt der selbstverliebte Aufschneider nicht nur die eigene Welt ins Wanken, er stiftet auch Chaos in der ihn umgebenden bürgerlichen Ordnung. Und so gilt der Spott am Ende weniger dem tölpeligen Aussenseiter, der die Farce provozierte, als vielmehr dem sittenstrengen Familienoberhaupt, der sie für kontrollierbar hielt …

Der Regisseur David Hermann geht bei seiner Inszenierung einerseits ganz vom Wesen der Verdi-Partitur aus, die ja nicht die damals seit 50 Jahren beendete Geschichte der Opera buffa wieder aufgreift und weitererzählt, sondern im Gegenteil an die Frühformen der ersten Musikkomödien anknüpft, das heißt: Die Musik in «Falstaff» ist kleinteilig, nuanciert und überaus gestisch. Und dementsprechend bemüht sich die Inszenierung, als wäre es eine Sprechkomödie, um eine punktgenaue Choreographie der Doppelbödigkeit und liefert so eine ebenso temporeiche wie witzige Screwball-Comedy in Musik. Andererseits richtet David Hermann den Fokus mitunter weg von Falstaff auf die ihn umgebenden Figuren. Wie kann es sein, dass zwei harmlose Briefe, die normalerweise nach der ersten Lektüre sofort folgenlos im Mülleimer verschwinden würden, ein ganzes Städtchen in Aufruhr versetzen?