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Orlando
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Luzerner Theater
Premiere 25.05.2012

Opera Seria in drei Akten 

von Georg Friedrich Händel

 

 

Regie: Eva-Maria Höckmayr
Kostüme: Brigit Künzler
Dirigent: Michael Wendeberg
Bühne: Nina von Essen
Licht: David Hedinger

 

« ORLANDO »

Wenn sich durch blinde Leidenschaft plötzlich die Vernunft Bahn bricht, dann gleicht das einem Wunder. Das gilt heute noch wie 1733, dem Jahr, in dem Georg Friedrich Händels Opera seria ihre Uraufführung erlebte. Die Wahnsinnsszene, die durchaus auch komödiantisch zu verstehen ist, bildet den Höhe- punkt des Werkes, das für 200 Jahre in Vergessenheit geraten war und auch heute, obwohl es mittlerweile zu Händels schönsten Opern zählt, selten eine Aufführung erlebt.

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Ritter Orlando liebt Angelica, die Königin von China, die ihr Herz jedoch dem afrikanischen Prinzen Medoro schenkte. Während die Schäferin Dorinda, ebenfalls Medoro sehr zugetan, irgendwann einsieht, dass unerfüllbare Sehnsüchte kaum zum Lebensglück beitragen, verrennt sich Orlando zunehmend in seine Leidenschaft. Bis zum Wahnsinn eifersüchtig, brächte er sogar die Geliebte zu Tode – wäre da nicht der Zauberer Zoroastro, der Dank seiner Zauberkraft der Stimme der klugen Einsicht Gehör zu verschaffen vermag.

Auf effektvolle Weise verbindet Händel in dieser tragikomischen Zauberoper barockes Bühnenspektakel mit aufgeklärter Moral. Dem eigentlichen Liebespaar stehen die beiden unglücklich Verliebten gegenüber, die trotz des gemeinsamen Schicksals auffällige Gegenpositionen einnehmen. Für Dorinda orientierte sich der Komponist an den komischen Intermezzi seiner Zeit, während Orlando als repräsentatives Beispiel für den Menschen schlechthin die gesamte Palette der Affekte durchläuft.

 

"Medienstimmen" 26.Mai 2012


Die Barockoper Orlando von Georg Friedrich Händel ist bei ihrer Uraufführung in London so richtig durchgefallen. 200 Jahre lang ist diese dann fast komplett in Vergessenheit geraten. Jetzt will die Regisseurin Eva-Maria Höckmayr am Luzerner Theater beweisen, dass dieses Werk nur seiner Zeit ganz einfach weit voraus war. Die Premiere gestern hat das Publikum jedenfalls gefesselt.

Romano Kunz mit der Kritik:

Wenn die Scheinwerfer angehen spielt der Zauberer Zoroastro mit dem Modell des Bühnenbildes und macht von Anfang an klar, dass er die Fäden dieser tragischkomischen
Geschichte in der Hand hat und behalten will.

Szymon Chojnacki mit seiner wohlklingenden und wendigen Bassstimme meistert schwierige Passagen mit Leichtigkeit. Das Bühnenbild von Nina von Essen ist geradezu raffiniert. Ein riesiges modernes Karussell welches sich unter magisch funkelnden Lichteffekten langsam dreht. Wer darauf ist darf zwar träumen, aber einen Ausweg gibt es nicht mehr. Genau das Richtige für die Annährung an eine fast vergessene Zauber- und Ritteroper. Die Regisseurin Eva-Maria Höckmayr vermeidet jeglichen billigen Aktionismus. Sie sucht den Ansatz im Stück selbst.
Zur Geschichte: Vier junge Menschen tanzen im Konfettiregen rund um das Karussell. Voll von Träumen und Illusionen. Doch das Schicksal nimmt seinen Lauf. Der Ritter Orlando verliebt sich in Königin Angelica. Angelica bevorzugt aber den afrikanischen Prinzen Medoro und dieser flirtet hemmungslos mit der Schäferin Dorinda. Die Regisseurin nimmt den alten Stoff auf, zeichnet aber die vier Figuren neu und plastisch. In den Mittelpunkt rückt sie dabei die beiden Pole des Beziehungswirrwarrs die heute noch aktuell sind. Das Lieben ohne Chance auf Erhörung und geliebt zu werden, ohne Chance sich dagegen wehren zu können. Blinder Liebeswahn treibt so den Kriegshelden Orlando furioso in den Wahnsinn - wird zu einem Amoklauf. Mit dieser Vision war Händel seiner Zeit weit voraus, sowohl thematisch als auch mit der für damals eher untypischen melodiösen Farbigkeit.

Marie-Luise Dressen mit einem tiefen, satten warmen Timbre in der Stimme lässt als Orlando zeitweise ganz vergessen, dass hier eine Frau auf der Bühne agiert. Das gilt auch für Caroline Vitale, die in einer zweiten Hosenrolle den Medoro prächtig singt. Simone Stock als Dorinda verfügt über eine eher kleine, zierliche Stimme, diese passt zur Rolle als naturverbundene Schäferin. Madelaine Wibom, sie singt die Angelica - reiht die Kolloraturketten packend aneinander, einzig in den hohen lagen hat sie kleine Probleme.


Michael Wendeberg setzt die Musik von Händel gut um. Bei erprobten Ausbrüchen von Protagonisten wirkt das Luzerner Sinfonieorchester da und dort etwas zu zurückhaltend.
Währen der Schlusschor singt, kommt es, wie es bei einer Opera Seria Vorschrift ist zu einem Happy End. Zoroastro mahnt Orlando zur Vernunft und bringt so die Fäden der wirren Geschichte in die richtige Ordnung. Alles in allem wurde dieser Orlando von Georg Friedrich Händel schnörkellos in einem stimmigen Zusammenspiel von Bühnenbild, Spiel und Musik auf die Bühne gebracht. Eine lang verschlossene Türe zu einem zauberhaften Barockwerk geht auf.