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Tanz 10: Romeo und Julia
Julia
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Luzerner Theater
Premiere 28.9.2012

Ballett 

von Matjash Mrozewski mit der Musik von Sergej Prokofjew nach der Tragödie von William Shakespear

Uraufführung

 

 


Choreografien:
 
 Matjash Mrozewski
Kostüme:
 

 Isavekke Lhoas

Bühne:

 Dominique Drillot

Musik:
 
 Michael Wendeberg
Licht:

 David Hedinger

 

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«TANZ 10» ROMEO UND JULIA

Mit einem der bekanntesten Handlungsballette startet das junge Ensemble «Tanz Luzerner Theater» unter der künstlerischen Leitung von Kathleen McNurney in die neue Spielzeit. Stringent und dynamisch erzählt der kanadische Choreograf Matjash Mrozewski die Geschichte und legt dabei feinfühlig die Psychologie der Personen offen. Da auch am Opernhaus Zürich die Spielzeit Tanz mit «Romeo und Julia» eröffnet wird, lohnt sich der Vergleich, wie sich ein kleineres Haus der Herausforderung stellt, Prokofjews Meisterwerk auf die Bühne zu bringen.

Die beiden jungen Liebenden Romeo und Julia, die wegen der unerbittlichen Fehde ihrer Familien nicht offen ihre gegenseitige Liebe leben können, kämpfen gegen ihr Schicksal. Romeos Versuch, der feindlichen Partei freundschaftlich die Hand zu reichen, endet im Tod seines Freundes Mercutio. Romeo wird nun selbst zum rächenden Mörder und muss fliehen. Das Unglück nimmt seinen schicksalhaften Lauf und gönnt den Liebenden allein die Vereinigung im Tod.

Das Schicksal Romeo und Julias hat, seit William Shakespeare ihre Geschichte 1597 auf die Bühne hob, unzählige Künstler zu Neudeutungen und Übertragungen in andere Genres angeregt. Und so verwundert es fast, dass Sergej Prokofjews Komposition von 1935 das erste abendfüllende Ballett über den Stoff ist. Seine meisterhafte Verbindung von melodischer Vielfalt und psychologischer Klarheit macht das Werk zu einer der grossartigsten Ballettmusiken des 20. Jahrhunderts, wobei ihre enorme rhythmische Komplexität eine ständige Herausforderung für Orchester und Tänzer darstellt.

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Presse 

„Romeo und Julia“: Kleines Ballettwunder in Luzern

Matjash Mrozewskis kluge und einfühlsame Choreografie bei „Tanz Luzerner Theater“

15 Tänzerinnen und Tänzer stehen in einer Reihe auf der Bühne und nehmen den riesigen Schlussapplaus entgegen. Und sie allein sollen die zweistündige Ballettaufführung getragen haben? Ja, haben sie! Sie tanzten das jugendliche Liebespaar Romeo und Julia, Romeos Freunde Mercutio und Benvoglio, Julias Eltern Gräfin und Graf Capulet, ihre Amme, den Cousin Tybalt, den Verehrer Graf Paris, den Pater Lorenzo, auch Romeos früheren Schwarm Rosalinde und eine mythische Gestalt namens Mab, die bei Shakespeare nur indirekt erwähnt wird. Ferner die Gäste beim grossen Ball der Capulets, Zigeunerinnen und Passanten auf dem Marktplatz, einen Apotheker und eine Reihe unheimlicher Gestalten in Schwarz, welche die Kapuzen ins Gesicht gezogen haben. Unheilsboten, Totengräber. 

Und diese vielen Figuren werden nicht nur oberflächlich skizziert, sondern plastisch gezeichnet. Aufgrund von klassischem Tanz – allerdings nie auf Spitzen – mit starker Zusatznote neuerer, oft sehr origineller Bewegungen, die Agilität und Athletentum verlangen. Was der kanadische Choreograf Matjash Mrozewski und das kleine Luzerner Ballett unter der künstlerischen Leitung von Kathleen McNurney geschafft haben, grenzt an ein Wunder. 

Die Bühne (Dominique Drillot) ist so ausgestattet, dass sich alle Szenenwechsel fließend bewältigen lassen. Über die Rückwand zieht sich die Architekturskizze einer alten Stadt, dazu kommen leichte Holzkonstruktionen mit Stiegentritten und Fensterbögen, die sich herumschieben lassen. So gelangt man zügig vom Marktplatz zu Julias Kammer, vom Ballsaal in die dunkle Todesgruft. Auch die eher zeitlos gehaltenen Kostüme (Isabelle Lhoas) lassen sich rasch auswechseln.

Das Luzerner Sinfonieorchester unter Michael Wendeberg spielt Sergej Prokofiews Ballettmusik etwas wuchtiger als nötig – aber in präzisem Austausch mit dem Bühnengeschehen. Von den 52 Szenen der Original-Ballettmusik werden 34 wiedergegeben, am wenigsten Striche finden sich im ersten Akt. 

Zwölf fest engagierte Tänzerinnen und Tänzer, zwei Hospitierende, ein Allrounder als Gast – so wenig Leute, und trotzdem sind alle wichtigen Rollen doppelt einstudiert worden. Bei der Uraufführung tanzten Chiara Dal Borgo und Davidson Farias das Liebespaar, er ein leidenschaftlich verspielter Südamerikaner mit dem Körper eines schönen Gassenjungen, sie eine eher herbe, aber ausdrucksstarke und wagemutige Italienerin. Die Balkonszene gelingt den beiden wunderbar. Weniger profilieren können sie sich in der nächtlichen Abschiedsszene, weil diese Musikkürzungen zum Opfer fällt. Erheiternd die Rolle der Amme (Rachel Lawrence), einfühlsam jene des Pater Lorenzo (Luca Signoretti). Stark gestrafft wurden die Schlussbilder mit den (schon bei Shakespeare) gar vielen Toten und schließlich Julias Begräbnis. Matjash Mrozewski verzichtet in seiner Choreografie auf Dolchstiche in den Sterbeszenen, lässt dafür Gift wirken. Auch im berühmten, tödlich endenden Streit zwischen dem verspielten Mercutio (Bert Uyttenhove) und dem sturen Tybalt (Ihsan Rustem) im 2. Akt werden keine Degen gezückt wie sonst üblich. Entsprechend virtuose Fechtszenen, wie wir sie seit der wegweisenden Choreografie von John Cranko gewohnt sind, entfallen. Stattdessen wird der Kampf handgreiflich geführt. Aber auch das wirkt völlig überzeugend in dieser verblüffenden „Romeo und Julia“- Aufführung in Luzern.

Autor: Marlies Strech